Mit „Gastro for Future“ richtet Greentable e.V. seine Kommunikation zur nachhaltigen Gastronomie neu aus. Hintergrund sind die verschärften Anforderungen an umweltbezogene Aussagen und freiwillige Nachhaltigkeitskennzeichen durch die europäische EmpCo-Richtlinie. Für Gastronomiebetriebe bedeutet das: Nachhaltiges Engagement bleibt sichtbar – aber konkreter, nachvollziehbarer und transparenter.
Nachhaltigkeitskommunikation wird anspruchsvoller
Nachhaltigkeit ist in der Gastronomie längst kein Nischenthema mehr. Viele Betriebe kaufen regional ein, reduzieren Lebensmittelabfälle, sparen Energie, setzen auf Mehrweg, schulen ihre Teams oder arbeiten mit fairen Lieferanten zusammen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen daran, wie dieses Engagement nach außen kommuniziert werden darf.
Mit der europäischen EmpCo-Richtlinie sollen Verbraucher besser vor irreführenden Umweltaussagen geschützt werden. Allgemeine Begriffe wie „nachhaltig“, „klimafreundlich“ oder „grün“ geraten stärker in den Fokus, wenn sie nicht konkret belegt und nachvollziehbar erklärt werden. Auch freiwillige Nachhaltigkeitskennzeichen müssen künftig deutlich höheren Anforderungen entsprechen, insbesondere wenn sie nicht auf einem staatlichen System oder einer unabhängigen Zertifizierung beruhen.
Für Greentable e.V. ist diese Entwicklung Anlass, die eigene Kommunikation weiterzuentwickeln. Das bisherige Greentable-Siegel „Nachhaltige Gastronomie“ wird daher nicht unverändert fortgeführt. Stattdessen stellt der gemeinnützige Verein seine Außendarstellung auf ein neues Modell um: die Fördermitgliedschaft im Greentable e.V. und die Teilnahme an der Initiative „Gastro for Future“.
Vom Siegel zum Mitgliedsnachweis
Künftig erhalten teilnehmende Betriebe kein klassisches Nachhaltigkeitssiegel mehr, sondern ein Greentable-Mitgliedskennzeichen sowie Materialien zur Kommunikation ihrer Mitgliedschaft und Teilnahme an „Gastro for Future“. Damit zeigen sie: Der Betrieb ist Teil eines Netzwerks für nachhaltige Gastronomie, orientiert sich an den 12 Zielen einer nachhaltigen Gastronomie und setzt sich mit konkreten Maßnahmen im Betriebsalltag auseinander.

„Wir wollen Nachhaltigkeit in der Gastronomie weiterhin sichtbar machen, aber ohne falsche Erwartungen zu wecken“, sagt Matthias Tritsch, Mitgründer und Vorstand von Greentable e.V. „Unsere Aufgabe ist es nicht, Betriebe wie eine Zertifizierungsstelle zu prüfen. Wir sind ein gemeinnütziges Netzwerk, das Gastronomiebetriebe motiviert, begleitet und transparent macht, welche konkreten Schritte sie gehen.“
Diese Abgrenzung ist zentral: Die Mitgliedschaft im Greentable e.V. und die Teilnahme an „Gastro for Future“ sind keine staatliche oder unabhängige Zertifizierung. Sie ersetzen keine gesetzlich geregelten Kennzeichnungs-, Kontroll- oder Zertifizierungssysteme. Genau diese Transparenz ist Teil der neuen Ausrichtung.
Klare Anforderungen, transparente Darstellung
Grundlage der Teilnahme bleiben definierte Anforderungen. Gastronomiebetriebe müssen mindestens sechs der zwölf Greentable-Kriterien erfüllen. Dazu zählen unter anderem regionale und saisonale Produkte, artgerechte Tierhaltung, Bio-Produkte, nachhaltiger Fisch, Abfallvermeidung, Klimaschutz, Ressourcenschonung, Mehrweg, soziale Verantwortung und transparente Kommunikation.
Für bestimmte Kriterien, etwa Bio-Produkte oder Strom aus erneuerbaren Energiequellen, müssen entsprechende Nachweise eingereicht werden. Die Angaben der Betriebe werden im Rahmen eines Desk-Audits auf Plausibilität geprüft. Zudem werden die erfüllten Kriterien im öffentlichen Greentable-Mitgliederverzeichnis dargestellt. So können Gäste, Geschäftspartner und Interessierte nachvollziehen, in welchen Bereichen ein Betrieb aktiv ist – ohne dass daraus ein pauschales Nachhaltigkeitsversprechen abgeleitet wird.
Bestehende Mitglieder aktualisieren im Zuge der Umstellung ihre Angaben und passen ihre Kommunikation an. Nach der Aktualisierung erhalten sie neue Materialien, darunter eine Mitgliedsurkunde, ein Greentable-Mitgliedskennzeichen sowie Hinweise zur Verwendung.
Chance für glaubwürdige Kommunikation
Mit der Neuausrichtung reagiert Greentable nicht nur auf rechtliche Veränderungen, sondern auch auf eine Entwicklung, die in der Branche längst spürbar ist: Nachhaltigkeitskommunikation muss genauer werden. Wer mit regionalen Produkten wirbt, sollte sagen können, woher sie kommen. Wer Bio-Produkte auslobt, muss die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Wer über Klimaschutz spricht, sollte konkrete Maßnahmen benennen.
Diese Entwicklung fordert viele Gastronomiebetriebe heraus. Gleichzeitig bietet die neue Klarheit eine Chance. Denn konkrete Kommunikation wirkt glaubwürdiger als große Versprechen. Ein Betrieb muss nicht in allen Bereichen perfekt sein, um Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend ist, nachvollziehbar zu zeigen, was bereits umgesetzt wird, wo Schwerpunkte liegen und welche nächsten Schritte geplant sind.
„Nachhaltigkeit in der Gastronomie ist ein Weg, kein fertiger Zustand“, so Tritsch. „Uns geht es darum, diesen Weg sichtbar zu machen – ehrlich, alltagstauglich und ohne Greenwashing. Gerade kleinere und mittlere Betriebe brauchen dafür praxistaugliche Lösungen, keine zusätzliche Bürokratie.“






